Gottseidank hat das wieder nachgelassen

Ach, war das heute wieder schön!

Gleich am Morgen ging das Teammeeting los. Und Claudia setzte zu ihrer Rede an. Warum sie dagegen ist, den Teamtag auf dem Grundstück der Chefin abzuhalten. Ist ja schön, dass sie uns eingeladen hat, aber ein neutraler Ort ist das nicht. Und gemeinsam auf den Grill zu legen, was sich jeder selbst mitgebracht hat, ist ja keine teambildende Maßnahme. Überhaupt ist das nicht wertschätzend, wenn wir wochenlang planen und dann einfach alles über den Haufen werfen, nur, weil es dann doch kein Geld für sowas gibt.

Wir bezahlen das sogar selbst. Jeder seinen Anteil. Das sind zwölf Euro.

Trotzdem fing Anne an, uns dahingehend zu indoktrinieren, dass die Geschäftsleitung uns das verbieten könnte.

Bitte?! Wenn keine Kosten entstehen und wir das machen, was alle machen wollen, was will uns da bitte die Geschäftsführung verbieten? In unserem so schön demokratisch-soziokratisch aufgestellten Sozialunternehmen?

Also, ich halte das für Quatsch. Claudia haute dann noch raus, dass diese Einladung dasselbe wäre, als würde uns der Chef privat zum Kaffee einladen. Ich habe sie in diesem Moment sehr gefeiert. Erst innerlich und später im Zwiegespräch noch ganz äußerlich. Nur Renate fand das nicht so prickelnd, weil sie Angst hatte, dass sie deswegen jetzt angeschissen wird.

Es kann aber auch sein, dass Anne das falsch herum verstanden hat. Nämlich, dass auch Claudia der Meinung ist, eine Einladung vom Chef wäre voll daneben. Ich staune immer noch, dass ich noch gar nichts dazu gehört habe.

Aber ich hatte auch heute damit zu tun, Bernhard zu vermissen. Der war nicht da, und niemand hat mich daran erinnert, wie sich meine Leitung mit meinem Patienten gegenseitig zunickte und mit den vorangehenden Worten Ich freue mich anfing, gemeinsam auf Bernhard einzuhacken. Die haben sich damit im Grunde zum Mobbing verabredet.

Ja, jedenfalls hat mir der Bernhard das heute nicht nochmal erzählen können, und deshalb bin ich direkt mit sehr guter Laune nach Hause gegangen.

Aber keine Sorge: In dem Moment, in dem ich wieder daran gedacht habe, schoss das Adrenalin durch meinen Körper.

Und ich könnte vor wiedergewonnener Wut jetzt so dermaßen meine Blumen gießen. Oder eine Wand eintreten. Irgendwas zum Aggressionsabbau eben.

Dabei sollte ich mich freuen. Ich habe eine neue Maßnahme zur Teambildung entdeckt: Man setze den Menschen einfach nur eine völlig hanebüchene Leitung vor die Nase, und schon funktioniert der Laden wieder.

Weil sich plötzlich alle einig sind, dass die neue Leitung einfach nur Angst hat. In unserem Fall: Angst, im Escaperoom kognitiv aufzufallen.

Sagen wir es mal so.

Ich gebe zu: Ich gehe da mit Anne gerade nicht sehr fein um, wenn die Türen geschlossen sind und sie es nicht hören kann. Aber ehrlich? Das ist dieses verfickte Scheißkarma! Seit sechs Jahren höre ich mir von der Frau an, dass ich theoretisch mit einem Bein in den Wechseljahren stehe, und anfangs war ich Mitte dreißig, im nächsten Atemzug wirft sie mir vor, dass ich nur das eine Kind habe, welches auch schon groß ist und von daher gar nicht zählt.

Sowas rächt sich irgendwann. Ich meine, ich könnte ihr natürlich erzählen, dass ich nach dem Erziehungsurlaub ganze zwanzig IQ-Punkte verloren und es deshalb gelassen habe. Aber wird sie das verstehen?

Oder setze ich einfach weiter aufs Karma für alle anderen Lebenslagen?

Ich hätte da mal eine kleine Warteliste vorbereitet…

Und so lange erstmal nichts passiert, sage ich mir einfach immer wieder das Wort Ganzkörperfixierung vor.

Das hilft wirklich!

Mir zumindest.

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