In meiner Küche wohnt ganz offensichtlich eine Prinzessin

Wenn Prinzessinnen in Küchen wohnen würden.

Hexen trifft man da schon wesentlich häufiger an.

Jedenfalls: Es glitzert, und die restlichen Eier sind im Farbrausch. Während ich mit Ruslana telefonierte, die eigentlich Urlaub, aber scheinbar auch große Sehnsucht nach mir hat, färbte ich mich schon mal aufs Wochenende ein. Sonst habe ich keine Zeit dafür.

Und jetzt sitze ich hier, bin entsetzt, wie spät es schon ist, weiß immer noch nicht, wann ich heute überhaupt zum Sport gehen wollte, und überlege, was ich eigentlich noch einpacken muss, damit ich morgen gen Thüringen verschwinden kann.

Sport hatte ich auch genug. Erst bei der Post ein kleines Standfest abgefeiert, dann diesen riesigen Karton mit einem völlig übertriebenen Ostergeschenk fürs Kind nach Hause gebuckelt (ich weiß, dass es zu Ostern Eier und Süßigkeiten gibt, aber mir war eben so, und das Angebot war nun mal gerade aktuell), das Geschenk eingewickelt, was ebenfalls eine sportliche Herausforderung war, aber es fügt sich gut in die Wohnungseinrichtung ein, und danach war ich nochmal kurz die bislang vergessenen Reste einkaufen.

Kleiner Einkauf.

Wir immer.

Wie immer konnte ich ihn kaum tragen.

Aber ich habe jetzt alles da, und alle Mahlzeiten der nächsten fünf Tage, die meine Anwesenheit voraussetzen, sind gesichert.

Beim Einkaufen traf ich noch einen Mann aus meiner Straße. Den treffe ich seit fünfzehn Jahren immer wieder, und ich habe die ersten fünf Jahre immer herumgegrübelt, warum der mich so freundlich grüßt.

Fragt der mich, wie es mir geht. Da musste ich gleich mal drauf verzichten, ihn über das gesammelte Elend aufzuklären. Stattdessen warf ich die Frage nach meiner nichtssagenden Antwort, die aus einem Muss ja plus Schulterzucken bestand, zurück.

Sagt der Mir geht es immer gut, wenn ich Sie sehe.

Na, so viel Charme am Abend kann ja nur Gutes bringen. Hauptsache, ich vergesse jetzt nicht, die Taschentücher einzupacken. Denn in vier Stunden Flixbus kann das Toilettenpapier schon mal knapp werden.

Und die Eier müssen auch noch abkühlen, damit sie die Schokolade in den ganzen Osterkörbchen nicht vorfristig zum Schmelzen bringen.

Apropos. Der Käse auf meinen überbackenen Zucchinihälften ist sicher auch schon geschmolzen. Und irgendwann muss ich an so einem Tag ja auch mal was zu mir nehmen.

Ansonsten war er leider zu nichts zu gebrauchen.

Vielleicht sollte ich doch noch versuchen, Prinzessin zu werden. Da beim europäischen Hochadel aus genetischen Gründen ja öfter mal eine Bürgerliche eingekreuzt werden muss, sollte das doch kein allzu großes Problem darstellen.

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Naaaaa? Wer hat denn da in Physik wieder nicht aufgepasst?

Es ist ein einziges Scheißspiel. Was ich mir da täglich im Moment antue. Eine Dramödie, bei der ich in jeder Sekunde vor der schwierigen Entscheidung stehe, ob ich nun kotzen oder heulen soll.

Meistens lache ich dann. Aber ich habe keine Ahnung, warum ich das kann.

So viel zu meinem Irrenhaus.

Die eine Leitung ist weg, weil sie Urlaub und abgedankt hat, die andere Leitung dreht voll auf. Ich kann es gar nicht in Worte fassen.

Wir haben da so eine Art Rotationssystem: Jeder ist mal dran. Jeder sitzt mal direkt auf dem Kieker der Oberleitung. Im Moment tun das der Werkstudent, Claudia und ich. Gleichzeitig! Das hatten wir noch nie! Und viel mehr Leute sind auch gar nicht da. Ok, Kayra und Gesine. Gesine sieht sie nicht, Kayra hat gerade Berns Nummer zwei bei sich zu sitzen, sie rechnen Gehälter aus. Das heißt, der Bernd tut das, Kayra sitzt formschön daneben und ist irre wichtig, weil sie ab und an wertvolle Informationen beisteuert.

Nachdem sie mich gefragt hat. Dafür, dass ich keine Personalsachbearbeitung mache, zumindest ziemlich oft.

Kunden schickt das Arbeitsamt…

Aber das denke ich ja öfter. Gern und gerade auch bei Leitungskräften.

Wie gesagt: Sie dreht jetzt voll auf. Weil das Team die Gesamtsituation eskalieren lassen hat. Eine andere Möglichkeit gab es ja leider auch nicht.

Anne sprach von sehr viel Gegenwind. Interessant. Also, das Vorhandensein von Gegenwind impliziert ja erstmal, dass es überhaupt Wind gab. Und wenn der Gegenwind von uns kam, wo kam denn dann nur der Wind her?

Tja, Fragen über Fragen.

Die sich rein physikalisch erklären lassen.

So man denn in der Schule etwas zugehört und nicht nur die Versorgung mit Tafelkreide sichergestellt hat. Denn: Irgendwann ham wir mal in Physik gehört, dass Druck den gleichen Gegendruck erzeugt, wie kommt, dass jeder nur auf seine Fäuste schwört, bis einer vor dem andern seinen Nacken beugt…

Aber nein, ich beuge meinen Nacken nicht, ich lasse erstmal sacken. Zum Beispiel, dass ich jetzt plötzlich hundert Rechnungen, die bislang als sonstige Erlöse geführt wurden, nachdem sie ganz früher mal irrtümlicherweise als ambulant galten, wieder auf ambulant umbuchen soll.

Wie oft denn noch? Ich kann nachträglich keine Rechnungen umbuchen. Weil ich nicht buche. Ich kann auch gar nicht buchen, und ich darf gar nicht buchen.

Im Gegenteil: Einst hatte man die glorreiche Idee, mir den Zugang zur Buchführung aus Gründen der Notwendigkeit ganz zu verwehren. Weil irgendeine Flachzange dachte, ich brauche diesen Zugang nicht.

Prompt war ich seinerzeit draußen. Und konnte gar keine Kundendaten mehr bearbeiten. Nachdem ich dies angemerkt und den Verbesserungsvorschlag eingereicht hatte, dass dies dann ja die liebe Frau Petermann machen könnte, war ich flugs wieder drin.

Denn so eine stupide Fleißarbeit wie Kundendatenpflege lag natürlich außerhalb ihrer Zuständigkeit.

Und Kompetenz, möchte ich sagen, denn ich wollte nie ihre ganzen zu Verwirrung führenden Tippfehler zählen, weil das einfach viel zu viele waren. Sie hat vor fünf Jahren aufgehört, uns täglich zu behelligen, und Ruslana arbeitet immer noch auf, was die Frau da zusammengearbeitet hat.

Aber lassen wir diesen kleinen Exkurs in graue Vorzeit, Frau Petermann ist Geschichte.

Die aktuelle Situation ist es leider noch nicht, und morgen wird es richtig schön, da will uns unsere Oberleitung vorstellen, wie sie sich die nahe Zukunft mit uns vorstellt.

Ich freu mich schon! Das kann man mir glauben.

Gottseidank bin ich nicht mehr da, sondern hier, und ich habe vorhin, als ich noch überlegte, ob ich nochmals zum Einkaufen ausgehen sollte, weil ich wieder die Hälfte vergessen habe, meinen Haushalt entdeckt.

Und meine Tasche fürs Wochenende wollte ich ja heute auch schon packen. Dann kann ich morgen in aller Ruhe meine Eier bunt machen. Geschenke muss ich auch noch einpacken. Allein meine Freizeit ist derzeit irrsinnig stressig, da brauche ich eigentlich gar kein Büro.

Ich habe aber eins. Und da muss ich hin. Was nur an dieser scheißkapitalistischen Grundprägung liegt.

Die ich allerdings gar nicht erfahren habe, weil meine Prägung zu einer anderen Zeit stattfand.

Und ich möchte hier mal voll Inbrunst sagen: Gottseidank!

Auch wenn es mir gerade gar nicht weiterhilft.

Aber trotzdem!

Der ernährungsphysiologische Wert von Toastbrot ist sowieso Müll

Man könnte auch direkt ganz herzlich in die Tüte beißen.

Hält auch länger vor.

Dachte sich offenbar mein Toaster heute früh.

Weil ich in irgendeinem Sauberkeitswahn in der Vergangenheit den kleinen Punkt abgeputzt hatte, der den Stand des Bräunungsreglers anzeigt, und weil die erste Ladung zu hell geblieben war und ich nach Bauchgefühl am Knopf drehte, schoss die letzte Scheibe in so hohem Bogen heraus, dass sie direkt im Mülleimer landete.

In diesem war zuvor alter Kaffeesatz ausgelaufen, und ich hatte ihn gerade feucht ausgespült, so dass ich die Scheibe einfach ungegessen zum Aufsaugen der Flüssigkeitsreste liegen ließ.

Der Tag hat also richtig gut angefangen.

Und er hat auch gut geendet. Jetzt schon wieder ganz ohne Ironie.

Mein Irrenhaus möchte ich heute lieber verschweigen, da gibt es nichts Neues. Außer vielleicht, dass ich so nicht arbeiten kann. Weil meine Oberleitung ein neues Hobby entdeckt hat. Sie ändert jetzt mitten im Jahr einfach die Kostenstellen rückwirkend zum ersten Januar und deaktiviert alles, was davor war.

Dazu hat mein Chef die Angewohnheit, mich im April darüber aufzuklären, dass ich für Oktober 2018 noch Rechnungen schreiben darf. Ich meine, alle wissen, dass ich wirklich sehr, sehr gerne Rechnungen schreibe, auch mein Chef, aber wenn ich die alten Kostenstellen nicht mehr ansprechen kann, wird es irgendwie kritisch.

Wechsle doch ins Jahr 2018. Sprach meine Oberleitung.

Sehr klug, diese Frau! Ich habe leider keine Ahnung, wie oft ich der Frau noch erklären muss, dass man im Auftragswesen keine Jahre einstellen kann.

Aber das war mir so kurz vor Feierabend dann auch egal, alles auf Sammelkostenstelle, und dann können sie mich mal.

Sowieso.

Und ich habe auch Hobbys.

Heute: Busfahren. Ich bin ganz stolz auf alle Beteiligten, denn ich musste heute keine anderthalb Stunden am Ostbahnhof herumstehen und mir fremde Busfahrer angucken. Nein, ich stand nur zwanzig Minuten am Mehringdamm, bis ein mir sehr vertrautes Gesicht vorfuhr.

Wir haben zum Abschied ein Erinnerungsfoto gemacht, mein Sohn und ich.

Auch wenn man mit diesem Kind wie in Abrahams Schoß reist, ist es doch komisch. So als Fahrgast bei einem Fahrer drin zu sitzen, den man einst in den Armen wiegte, weil die Zähne kamen.

Und ähnliche Mutterfreuden.

Vor lauter mütterlichem Stolz habe ich nach dem Sport dann erstmal dreißig Ostereier gekauft. Ich mache freilich nicht alle bunt, aber viele davon.

Wenn ich mich denn jetzt mal aufraffen könnte, die vier gebastelten Osterkörbchen ein wenig zu verzieren, denn sonst schaffe ich das nicht mehr. Vor allem, wenn ich in drei Tagen um diese Zeit schon in Thüringen am Osterfeuer stehen will.

Also, frisch voran und losgeklebt, ist ja erst zehn, der Rücken schmerzt nur ein ganz kleines Bisschen, und müde bin ich auch kaum.

Die Veranstaltung fällt aus

Na toll! Da bin ich doch heute nach meinem üblichen, allerdings dankenswerterweise deutlich späteren Morgenprogramm, welches in aller Regel daraus besteht, dass ich erst hemmungslos bummle und dann kurz vor dem Losgehen zu Speedy Gonzales auf Amphetamin mutiere, noch der einfahrenden Ringbahn hinterhergehechtet, weil ich meine Katja nicht warten lassen wollte, und dann fiel die anvisierte Veranstaltung aus.

Was wir feststellten, als wir bereits vor dem entsprechenden Gebäude standen.

Und ungläubig in Katjas Internet blickten, weil das Haus mit der richtigen Hausnummer so gar nicht nach Ostermarkt aussah.

Na, auch gut. Wenn man sich mal einen Markt klemmt, freut sich das Portemonnaie. Außerdem war im Schloss in Steglitz noch ein Kreativmarkt, den ich ohnehin bereits priorisiert hatte.

Leider gab es hier zwar sehr viel Schönes, unter anderem sehr hübsche Täschchen aus den japanischen Stoffen, die ich vom Hollandstoffmarkt kenne, aber nicht so, wie ich sie gerne gewollt hätte.

Die Händlerin drückte mir einen Flyer in die Hand. Wann der nächste Markt ist. Und fragte, in welchem Format ich das favorisierte Muster haben wollen würde.

Na, ich bin gespannt.

Eine Kundin neben mir sprach, dass sie zu diesem Termin im Urlaub ist. Sehr zielführend. Diese Information. Ich komme an diesem Wochenende auch gerade gegen frühen Nachmittag aus Thüringen zurück. Da will ich mir eine Band angucken. Was mich allerdings nicht daran hindert, nach meiner Rückkehr noch schnell nach Mitte zu fahren, um nach Taschen mit liebreizendem Gänsemuster zu gucken.

Und zu prüfen, ob die Herstellerin sie wirklich in meinen ersehnten Abmessungen gefertigt hat.

Ich bin aber ansonsten sehr stolz auf mich, dass ich widerstanden habe. Weil ich keine weitere Kosmetiktasche brauche. Ich habe drei in mittlerer Größe. Eine benutze ich, die anderen beiden sammeln den Staub im Bad auf.

Also, zumindest den ganzen Staub, der sich nicht zwischen den Stäben des Heizkörpers anfindet.

Am Ende schlug dieser Bummeltrip mit ganzen sechs Euro achtzig in die Bücher ein.

Und das auch nur zufällig. Die anprobierten Klamotten sahen auf der Kleiderstange wesentlich besser aus als an mir, auch müsste ich für noch eine geblümte Hose mal meinen Kleiderschrank entrümpeln, es gab irgendwie nichts, was mich ansprang, selbst das mit dem Essen wurde irgendwann ein Problem, weil nirgends ein Tisch frei wurde, und weil Katja ihre Hose nicht in dem einen Einkaufsladen fand, sind wir die Straße bis zum Ende runter gelatscht, um in den anderen zu gehen. Wo es dann aber auch nur doofe Farben gab. Und auf dem Weg dahin erblickten meine Äuglein ein mir bis dato von innen unbekanntes Bastelkaufhaus.

Ich bin dann mal weg.

Es gab zwischendurch Sushi, falls sich einer Sorgen um meinen Ernährungszustand macht, und ich muss jetzt Schmuck basteln.

Besser, schlechter, anders scheiße

Wo fange ich denn jetzt vor lauter Schreck an?

Am besten bei gestern, denn da nahm das Unheil seinen Lauf. In einer Form, die es mir unmöglich machte, mich in irgendeiner Weise tagesaktuell zu äußern.

Gestern stand nämlich plötzlich der Chef in der Küche und verkündete kryptisch, dass wir uns morgen, also heute, zu einem außerordentlichen Meeting zusammenfinden werden, weil es Veränderungen geben wird, die uns alle betreffen. Hernach schwieg er sich aus. Obwohl er von unseren geballten Kräften Ruslana und Kayra sogleich mit Fragen bombardiert wurde.

Ich hätte an seiner Stelle auch nichts mehr gesagt. Schon aus Prinzip. An den Spekulationen habe ich mich aber dennoch beteiligt. Was wird man uns wohl verkünden? Es klang ernst, wenn auch nicht hoffnungslos. Hat unsere Oberleitung vielleicht ihre Kündigung terminiert? Oder will man uns sagen, dass sie uns dankenswerterweise doch weiterhin zur Verfügung stehen wird? Erst am ganz hinteren Ende des Tages rückte Ruslana mit ihrer ersten Vermutung heraus, die sie nicht ausgesprochen hatte. Nämlich, dass Anne die Projektleitung aufgibt. Fragen über Fragen wieder…

Trotz der ganzen Aufregung bin ich gestern fast vor Criminal Minds auf der Couch weggetreten. Und habe die Zeit bis zum Morgengrauen wie ein Stein zugebracht. Ich träumte von Anne, die mir mit einer Fluppe im Mundwinkel und sehr traurigem Gesichtsausdruck entgegentrat. Aber sie war zur Regionalleitung befördert worden.

Mir schwante gar schreckliches. Aber heute früh in der Küche, als ich dies mit Ruslana besprach, brachte uns die Deutung dessen auch nicht weiter.

Ruslana warf sowieso erstmal meine Happy-Friday-Tasse in den Müll. Ich selbst habe es nicht über mich gebracht, weil sie einst ein Geschenk von Claudia war, aber irgendjemand (und zwar nicht ich) hat ihr einen Sprung am Rand verpasst, so dass die Tasse laut Ruslana Unglück bringt.

Sie warf sie für mich weg. Meine kleine Glücksfee! Ich habe heute gleich einen Lottoschein abgegeben.

Die Zeit bis zum mysteriösen außerordentlichen Treffen verging leider recht schnell. Oder Gottseidank. Das kann man jetzt ganz individuell ausdeuten.

Wer hatte Recht? Ruslana. Wie immer. Ich nenne sie schon unser Orakel. Denn meistens stimmen ihre spontanen Weissagungen mit der Realität überein. Anne hat es aufgegeben und will jetzt wieder eine normale Kollegin sein.

Das ist schön.

Ein paar Stunden später war das alles in meinem Bewusstsein durchgesickert, und dann wurde ich wütend. Stinkwütend. Denn in diesem konspirativen Treffen wurde implizit mitgeteilt, dass der schwarze Peter hier ganz klar beim Team liegt. Zu viel Gegenwind bis hin zur Arbeitsverweigerung, und das einzig Positive, das uns zu Anne einfiel, war ihre Hilfsbereitschaft. Ja, weil sie sich damit vor ihrer Arbeit drücken kann. Die Arbeitsverweigerung war Ruslana, die sich weigerte, eine völlig mit leicht schwachsinnigen Schätzwerten ausgefüllte, alte Tabelle weiterzuführen.

Kein Wort davon, dass unsere herzallerliebste Oberleitung Anne mit allem, wofür sie sich nicht mehr zuständig fühlen wollte, förmlich überladen hat. Kein Wort davon, dass Anne damit nicht nur überlastet, sondern auch überfordert war. Aber lassen wir das.

Nach dem achtunddreißigminütigen Krisentelefonat mit Ruslana bin ich jetzt bereit, mein Wochenende einzunehmen.

Was ich eigentlich seit Montag bin.

Wie immer.

Nur, dass im Moment nichts wie immer ist.

Aber, wie gesagt, lassen wir das.

Ich habe ein Zwischenzeugnis bei der Personalverwaltung beantragt. Sie sagte, unsere Oberleitung ist zuständig dafür.

Ok, ich brauche kein Zwischenzeugnis.

Nein, ich brauche ein Wochenende.

Und das habe ich ja jetzt.

Kein Glück mit der Dreizehn

Das ging schon am frühen Morgen los. Da stand ich in meiner dörflichen Unschuld an der Haltestelle meiner Straßenbahn und war dem irrsinnigen Glauben aufgesessen, dass diese Bahn auch irgendwann mal fährt.

Eine fiel aus, die zweite endete außerplanmäßig genau an meiner Haltestelle, die nächste kam ordentlich verspätet. Und ich dann auch. Eigentlich wäre das ein hinreichender Grund gewesen, spontan wieder umzukehren, mich zurück in mein sicher noch warmes Bett zu legen und das Haus nie wieder zu verlassen, aber nee…

Aus einem völlig überbewerteten Pflichtgefühl heraus ging ich ins Büro, wo rein gar nichts Besonderes los war, dann eilte ich nach Hause und sprang eine Viertelstunde später zurück an meine Straßenbahnhaltestelle, weil ich Bus fahren wollte.

Mit dem Busfahrer meines Vertrauens.

Der in einer gewissen Personalunion mit meinem eigenen Fleisch und Blut steht.

Er hatte mir gestern so detailliert beschrieben, wann er mit seinem Bus an welcher Endhaltestelle ist, dass ich dachte, das Kind wäre bestimmt enttäuscht, wenn ich nicht irgendwann dazusteigen würde.

Die Straßenbahn, die mich zu entsprechenden Bushaltestelle bringen sollte, kam nicht.

Dann irgendwann in ferner Zukunft doch. Und ich beeilte mich sehr beflissen.

Also, erstmal war gar kein Bus da. Dann kamen drei hintereinander, aber die Fahrer haben mir alle nicht so zugesagt.

Ich ging in den Bahnhof und suchte freies WLAN.

Gefunden.

Kein Kind in Sicht, auch nicht auf WhatsApp. Anrufen kann man so einen gerade fahrenden Fahrer ja nicht.

Sehr schöne rote Turnschuhe habe ich gesehen. Und meine alten sind ja kaputt. Nur hatte ich leider gar keine Ruhe zum Anprobieren.

Nein, nochmal raus, gucken, welcher Fahrer gerade in der Warteschleife steht, nicht der richtige, wieder rein, Lebensmittel brauchte man ja auch noch.

Wieder raus, zwischendurch WhatsApp angestiert, kein Bus.

Nach geschlagenen anderthalb Stunden und mit Gefriergut im Einkaufsbeutel habe ich dann die Gelegenheit ergriffen und bin einfach in einen anderen Bus gestiegen.

Um nach Hause zu kommen. Wo es auch nicht besser aussieht, als es in dem Moment, in dem ich das Haus verlassen habe, ausgesehen hat. Das mit den Heinzelmännchen scheint ein Märchen zu sein.

Bus fahren werde ich ein andermal.

Vielleicht ist das auch Karma, weil ja eigentlich Renate mitkommen wollte, aber weil sie doch hingefallen ist und ihr Knie aktuell wegen der Schmerzen in tiefgefrorenem Zustand verharrt, was mich aber bemüßigte, ohne sie fahren zu wollen… und deshalb konnte das ja gar nicht klappen.

Das Universum wollte es nicht.

Zumindest nicht heute.

Einfach mal auf links drehen!

Hätte ich ja auch eher drauf kommen können.

Es geht mal wieder, die Älteren werden sich erinnern, um mein Kleid. Zwar habe ich es gestern im Grunde endlich fertiggestellt, aber der Huckel blieb. Er ließ sich nur nicht fotografisch darstellen, deshalb hätte ich es fast so gelassen, aber wir kennen mich.

Kann ich nicht. Nee, es ging einfach nicht. Und so erschien mir die Idee am späten Abend wie ein eiserner Strohhalm: Ich drehe die ganze Scheiße jetzt auf links, ziehe sie nochmal an, und dann ging es los. Das Kind gerufen, einen Kugelschreiber ausgehändigt, und nachdem ich letzteren an einer leeren Rolle Toilettenpapier aktiviert hatte, malte mir mein liebster Sohn einen Punkt an die Stelle, wo ich noch was abnähen kann. Ferner einen Punkt am anderen Ende sowie einen Strich in die Mitte.

Eine interessante Aktion, aber siehe da: Fertig.

Na, fast. Die erfolgreiche Beseitigung dieser Ausbuchtung (von links war sie wesentlich eindeutiger zuzuordnen) hat mich jedenfalls in einen Flow versetzt, der seinesgleichen sucht. Voll strotzendem Selbstbewusstsein legte ich mich ins Bett, überhörte fast wieder meinen Wecker am Morgen, weil ich eben gerne auf dem linken Ohr liege (ist mein Lieblingsohr) und ging in mein Irrenhaus zur Verrichtung meines Tagwerks.

Bis dahin hat der Flow auch gehalten.

Er hielt auch noch ein wenig weiter.

Gesine und ich hofften inständig, dass keiner fragt, was wir heute eigentlich gemacht haben. Wir haben nach Häschen im Internet gesucht. Falls einer fragt, der das fragen darf.

Und damit ist es amtlich: Ich muss ins Bastelkaufhaus. Ich will Häschen im Topf basteln.

Dann kam aber erstmal Ruslana. Mit drei Geburtstagstorten. Aber ich habe leider keine russischen Torten bekommen, nur Coppenrath und Wiese. Och, wie schade! Einen ganzen Tuschkasten voller Lebensmittelfarbe und sehr viel Zucker verpasst. Und extra für mich gab es sogar Erdbeertorte mit Frischkäse.

Weil Du doch keine Sahne isst.

Hä? Ich esse Sahne. Nur eben lieber mit Fleisch.

Aber da Ruslana denkt, ich mache eine Diät… Na, es hat erstmal gereicht, dass ich sie bei der Zahl drei ganz entsetzt angeguckt habe. Sie war ein bisschen beleidigt, als ich sie fragte, ob sie eine Hundertschaft hungriger Finanzbeamtinnen beköstigen will.

Meine Tageshighlights jedoch waren noch ganz anders gelagert. Nicht nur, dass jetzt plötzlich die Buchhaltung schuld daran ist, dass dem Controlling etwas in einem nicht buchhalterisch bearbeiteten Bereich nicht aufgefallen ist, auch soll Ruslana jetzt dafür sorgen, dass die Stromversorgung in hundertzwanzig Wohnungen auf Ökostrom umgestellt wird, weil das besser fürs Image ist, und so ganz allgemein räumt unsere Oberleitung ihren Schreibtisch auf.

Unter Aufräumen versteht sie leider, sich alles ohne Rücksicht auf Bearbeitungsstand vom Platz zu schaffen.

Und ausgerechnet ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich so oft überlege, ob ich die ganze Scheiße auf meinem Tisch nicht einfach anzünden kann!

Tja, und dann kam noch Kayra. Die laut einer anderen Kollegin auch Chantal heißen könnte. Und die andere Kollegin ist selbst nicht eben die hellste Kerze am Leuchter.

Kayra jedenfalls mischte sich erst in unsere Ausführungen zum Thema alkoholhaltige Torten am Arbeitsplatz ein, bezeichnete mich in diesem Kontext als zur Säuferfraktion gehörig, und dann ließ sie mich noch das Neueste über mich wissen.

Ich konvertiere nämlich zum Islam.

Hat sie gesagt.

Mit den Worten: Wenn Du mal jemanden kennenlernst, idealerweise aus meinem Kulturkreis, und der ist gläubig, und Du heuchelst irgendein Interesse, dann wirst Du auch zur Gläubigen.

Du meinst, ich konvertiere dann zum Islam?

Ich möchte dazu nichts weiter sagen. Ich werde nicht konvertieren, ich bleibe ein Heidenkind mit atheistischen Specials. Wobei ich im anderen Fall natürlich selbstredend in die himmlischen Heerscharen eintreten würde, wenn es soweit ist, was mir ja aktuell noch verwehrt bleibt.

Wie gesagt, ich lasse das unkommentiert. Ich kann dazu auch gar nichts mehr sagen, weil das in direktem Anschluss spontan entstandene Schleudertrauma nach wie vor meinen Kopf beschränkt. Nicht so sehr wie es der meiner lieben Kollegin von Natur aus ist, aber doch in ausreichender Form für meine Verhältnisse.

Gottseidank musste ich ganz dringend mit Pia telefonieren. Die ist auch nicht so begeistert von Kayra, weshalb das Gespräch auch etwas länger dauert.

Im Grunde, bis ich gehen musste, weil ich ja mit Renate zum Sport verabredet war. Sonst wäre ich glatt noch geblieben, so schön war das.

Zu allem Überfluss stand dann aber gerade der Chef in meinem Türrahmen.

Hast Du eigentlich schon heiße Ohren?

Nee, nur eins, wieso?

Ich versuche seit einer halben Stunde, Dich anzurufen.

Dabei hat das Gespräch mit Pia eine Dreiviertelstunde gedauert. Habe ich nicht gesagt. Was er wollte, habe ich allerdings just in dem Moment verdrängt, als ich die Ausgangstür erreichte. Ich weiß nur noch, dass meine letzten Worte Tschüss, Chef waren, während ich mein klingelndes Telefon ergriff und im nächsten Atemzug Hallo Anne sagte.

Die stand vor der Tür und hatte es versäumt, mir zu sagen, dass sie jetzt nach Hause geht. Wie interessant!

Ja, ich auch. Das heißt, ich hätte es tun können, wenn ich damals schon gewusst hätte, dass Renate auf ihrem Küchenfußboden ausgeglitten war und jetzt zu höllische Schmerzen im Knie hat, so dass sie nicht zur gemeinsamen Leibesertüchtigung erscheinen konnte.

Weil ich zum Zeitpunkt des Eintreffens dieser Information aber schon vor dem Fitnesscenter gestanden habe, bin ich auch wirklich reingegangen. Wenn man alleine Sport macht, hat man irgendwie mehr das Gefühl, wirklich was gemacht zu haben.

Und es wäre sehr schön, wenn das im Haushalt der Realität entsprechen würde, denn mich begrüßte eine ziemlich chaotisch angehauchte Küche.

Und ich habe es nicht geschafft.

Ich habe nicht mal den Anfang von In aller Freundschaft gesehen. Diesmal habe ich zwar das Programm spontan gefunden, aber mein Telefon hatte geklingelt. Tina aus Thüringen.

Damit war der Abend im Grunde gelaufen.

Und das war wunderschön so.

Ich kündige

Ich habe keine Lust mehr.

Demnach war es vielleicht reine Psychosomatik, dass ich heute früh fast den Wecker nicht gehört habe.

Weil ich auf dem falschen Ohr lag. Denn gestern habe ich gebadet, nachdem ich einen Kugelschreiber benutzt hatte und überall blau beschmiert war. Und beim Untertauchen läuft immer mein rechtes Ohr voll Wasser, das da nie wieder raus geht. Und weil dieses Ohr heute oben lag, während sich das einzige hörende, das ich habe, inniglich ans Kissen schmiegte, bin ich eigentlich mehr von der Vibration wachgeworden als vom Ton.

Zu schade.

Ich hätte auch liegenbleiben können.

Aber ich weiß, ich bin nicht mehr jung, und ich brauche das Geld.

Zwar ist der Kontostand derzeit recht angenehm, aber Geld hat bei mir leider die blöde Angewohnheit, sich ziemlich schnell zu verflüchtigen. Vor allem, wenn ich weiß, dass mehr davon da ist, als ich vorher dachte.

Nicht gut. Gar nicht gut. Auch wenn ich mich noch irgendwie zurückgehalten habe. Obwohl ich, nachdem ich meinem Irrenhaus entkommen war, schon mal etwas fürs Osteressen eingekauft habe.

Zur Arbeit möchte ich heute mal nichts sagen.

Der Mittelfinger sitzt recht locker.

Sagen wir es mal so. Ansonsten weiß ich spätestens zum Feierabend wieder, dass ich Hobbys habe.

Heute habe ich zum Beispiel mein Kleid weiter verschlimmbessert. Ein paar Nähte wieder aufgetrennt. Einen Saum neu gemacht. Und Renate ein Foto vom Huckel geschickt. Den man auf dem Foto gar nicht sehen kann. Es ruschelt sich halt ein bisschen zusammen, wenn ich die Schulter nach hinten drücke. Was ich gemeinhin ja gar nicht so oft mache.

Sie hat aber mit ihrer Fachmeinung noch hinterm Berg gehalten. Kann sein, dass sie es erst in ein paar Tagen sieht.

Ja, meine Renate ist trotz WhatsApp eher von der entschleunigten Sorte.

Ist ja auch mal schön. Solche Leute erwarten wenigstens nicht, dass man den ganzen Tag erreichbar ist.

Andererseits versüßt mir so manche Nachricht am Tage die Tage. Heute hat sich zum Beispiel Claudia gelangweilt. Sie saß zu Hause und war krank, da konnten wir in aller Ruhe die Unbill unserer gemeinsamen Wirkungsstätte auswerten. Vor allem wegen der anstehenden Umstrukturierungen. Die Zwischenleitungen sollen weg. Zwei verschwinden im Nirwana, zwei teilen sich den Job, den sie sich jetzt auch schon teilen, und zwei werden aus der Zwischenleitungsebene wegbefördert.

Ich sage dazu mal nichts, ich bin einfach nur sehr gespannt.

Und pflege weiter meine Kündigungsphantasien.

Dennoch bin ich froh, dass meine liebe M aus Marzahn heute das Geburtstagsgeschenk für Ruslana nicht gesehen hat. Denn das ist mir ja, wie gestern bereits erwähnt, ganz gut gelungen. Ruslana denkt, ich wäre wahnsinnig, weil ich ihr sowas exklusives schenke, dabei beläuft sich der Materialwert vielleicht auf zwei Euro. Möglicherweise zwei fünfzig.

Das Wertvolle ist wohl eher das Designen und die Zeit fürs Handwerk daran an sich. Und wenn die M aus Marzahn das gesehen hätte, hätte sie mich wieder gefragt, warum ich überhaupt bei uns arbeite. Und dann hätte ich wieder gesagt, dass ich das auch jeden Tag überlege. Und wenn sich das herumspricht… muss ja nicht sein.

Oder doch? Vielleicht sollte man seinen Kündigungsgedanken mal etwas publiker machen. Damit was passiert.

Aber machen wir uns nichts vor: Da wird nichts passieren.

Warum auch? Läuft doch.

Etwas schleppend.

Mit zwei ungleich langen Beinen, aber es läuft.

Ja, ok, zuweilen werden Kolleginnen beobachtet, die höchst anmutig ihren Kopf auf den Tisch werfen, um gar hemmungslos zu weinen, aber es läuft.

Das Humankapital ist sowieso ersetzbar.

Ach, ich könnte schon wieder in die Deko brechen.

Muss das denn sein?

Meine Damen und Herren, es folgt ein neuerliches Luxusproblem: Warum wickelt man Geschenkband in Folie ein, um dann den Strichcodeaufkleber direkt auf das Band zu kleben?

Verstehe ich nicht.

So viel zu den heutigen Tagesthemen.

Ich war kreativ. Und ein Projekt habe ich auch direkt eingewickelt. Siehe oben. Die Schleife hat gewisse klebrige Elemente. Aber bis morgen ist das sicher weggetrocknet.

Ansonsten fühle ich mich von meinem letzten Nähobjekt ein wenig in den Wahnsinn getrieben. Da war nämlich so ein kleiner Huckel am hinteren, rechten Arm. Habe ich was weggenäht. Der Huckel wurde noch größer. Habe ich die ganze Naht versetzt. Und auf der anderen Seite auch gleich.

Der Huckel ist immer noch da.

Jetzt mit Raffung.

Und ich habe keine Ahnung, was ich noch machen soll. Vielleicht verabschiede ich mich einfach von meinem Perfektionismus. Und lasse den Resthuckel einfach stehen. Wenn ich mich dazu überwinden kann, nicht auf ihn hinzuweisen, sieht man den eh nicht.

Leider liegt es in meiner Natur, auf meine eigenen Suboptimalitäten hinzuweisen. Ich mache das unbewusst extra. Um dem Betrachter die Möglichkeit zu geben, mich zu beruhigen. Dass man das nicht sieht. Oder dass das nicht so schlimm ist. Nur, um ein paar Anregungen zu nennen.

Ist aber erstmal nicht prioritär, ich habe mich heute einfach zu gut erholt dafür. Ein flotter Wechsel vom Bett an den Frühstückstisch auf die Couch an die Nähmaschine.

Ich habe ja viele Hobbys.

Und ich schaffe es, einen Großteil davon gleichzeitig auszuüben.

Während ich also mein Kleid zum gefühlten hundertsten Mal überwarf – zwischendurch habe ich es dann auch sein gelassen, mir beim Nähen überhaupt etwas anzuziehen, so dass ich teilweise oben ohne an der Nähmaschine verzweifelte – habe ich – hier allerdings wieder vollständig gekleidet – an meinen Socken weitergestrickt, bis mir einfiel, dass mein Körper ein wenig Bewegung vermisst. Diese habe ich mit dem zwischenzeitlichen Zuschneiden eines Schnittmusters garniert, und das Schnittmuster habe ich dann gleich mal als Unterlage beim Schmuckbasteln zweckentfemdet. Geschenk ist auch verpackt, es gibt ein paar Ohrringe aus Jade und Amethyst, die mir wesentlich besser gelungen sind als die Geschenkschachtel.

Obwohl ich für die Ohrringe nicht annähernd so lange gebraucht habe wie für die Schachtel, die sowieso nur dem Transport dient und hernach hoffentlich stehenden Fußes entsorgt wird.

Sie ist einfach zu schief zum Aufheben. Und die Schleife hat die besagten Klebereste an den gekringelten Enden.

Na, ich werde mal nicht so sein mit mir. Bis auf meine Badewanne habe ich heute schön was gemacht. Baden kann ich aber noch nicht. Weil mein Kind die Waschmaschine angeschaltet hat. Und so lange die läuft, kann ich nicht in die Wanne. Weil das Abwasser sonst mein Badevergnügen stören würde.

Gut, man könnte den Abwasserschlauch auch direkt an den Waschbeckenanschluss bauen, aber das möchte ich nicht, weil ich im Sommer gerne meinen Balkon mit dem tensidversetzten Nass begieße. Dann wachsen die Blumen besser.

Freilich müsste ich dazu auch mal welche einpflanzen… aber man kann es ja auch übertreiben mit den häuslichen Aktivitäten am Wochenende.

Mache ich wann anders.

Keine Ahnung, wann, aber ich werde es tun.

Oder ich gehe direkt zur Herbstbepflanzung über. Denn im August bin ich eh zwei Wochen nicht da, und das ist ja bald. Wobei mir natürlich vollkommen bewusst ist, dass auch in den Monaten davor sehr viel Schönes auf mich wartet.

Ich muss mich jetzt erstmal an den Stricknadeln erholen

Ganz exorbitant habe ich heute den Schlafmangel vom letzten Wochenende aufgearbeitet.

Nur, dass es irgendwann auch genug war. Just in dem Moment, in dem ich eine Email erhielt, dass das Geschenk für Tina jetzt doch schon da ist, obwohl es mir für Anfang Mai angekündigt wurde, hielt ich es nicht mehr im Bett aus.

Ich brauchte auch nur drei Stunden von dem Augenblick, in dem ich beschloss, in welche Richtung ich das Haus verlassen würde, bis zu dem, in dem ich es wirklich tat.

War ja nur ein kleiner Einkauf.

Dazwischen habe ich noch schnell angefangen, meinen Backofen zu putzen, vor allem das Fenster, und Stoff zuzuschneiden. Schließlich hatte ich dieses Wochenende einzig meiner Nähmaschine vorbehalten.

Den Einkauf konnte ich am Ende kaum tragen.

Zu verlockend waren die feilgebotenen Waren. Und ich hatte auch Hunger. Weswegen ich auch die Osterschokolade nicht stehenlassen konnte. Das beschenkte Umfeld soll schließlich auch etwas davon haben, dass ich Hunger habe.

Zurück zu Hause war ich erstmal heillos überfordert. Und ich glaube, ich werde nie wieder etwas mit Ärmeln nähen. Auch wenn ich, dank einem YouTube-Tutorial über das korrekte Feststecken der gegenläufigen Stoffkanten, jetzt eigentlich weiß, wie es geht.

Ein paar unfreiwillige Faltenwürfe und sehr viel Verschlimmbesserung später musste ich das alles erstmal zurück in die Ecke schieben. Das muss jetzt reifen.

Aber ich habe schon den Essig gekauft. Mit Essig soll man angeblich verblasste Farben wieder aufpeppen können. Und ich habe verblasste Farben. Nach dem Vorwaschen war der Blümchenstoff einfach nicht mehr so schön wie vor dem Vorwaschen. Könnte aber auch am Licht liegen.

Ich könnte das heute entstandene Kleid ja in den Backofen legen. Denn da habe ich kein Licht, und wenn die Klappe zu ist, kann man derzeit auch nur links durchgucken.

Weiter bin ich noch nicht gekommen. Ist aber auch eine Tagesaufgabe! Das Reinigen des Backofens… Aber ich habe ja Zeit. Niemand hetzt mich. Außer der Plan, dass ich am kommenden Sonntag das Kleid anziehen wollte.

Mein Kind hat ja gesagt, es wäre zu kurz. Aber der hat, mit Verlaub, natürlich keine Ahnung. Gut, ich sollte mich damit in der Öffentlichkeit wirklich nicht bücken, aber das habe ich ja auch nicht vor. Sollte doch einmal die Schwerkraft die Überhand haben, kann ich immer noch ganz elegant in die Kniebeuge gehen.

Ob es dann noch elegant aussieht, wenn ich wieder hochkomme, sei zwar dahingestellt, aber ich habe das dem Kind gezeigt.

Wie eine Dame etwas aufhebt.

Vielleicht stricke ich heute doch nicht mehr, sondern übe noch ein paar elegante Kniebeugen. Ich hole mir mal den großen Ankleidespiegel hervor, damit ich die Trainingserfolge auch sehen kann.

Wobei ich diese Exerzitien natürlich auch mit meinen Reinigungsarbeiten am Backofen kombinieren könnte.

Dann habe ich gleich etwas Sinnvolles geschafft.

Aber ach, ich mache doch nur total sinnvolle Sachen den ganzen Tag.