Ich muss ins Bett

Schnellstens!

Erstens ist das Buch, das ich gerade zu mir nehme, hochinteressant, zweitens muss ich in der nächsten Zeit ja immer eine Stunde früher aufstehen.

Weil meine Glühlampe in der Küche kaputt war. Und weil ich im Dunkeln nicht frühstücken kann, habe ich sie ersetzt. Leider mit einem Modell mit Vorglühfunktion. Das heißt, wenn ich jetzt das Energiesparlicht anschalte, wird es erstmal dunkler im Raum. Aber nach nur einer Stunde kann ich dann alles sehen.

Keine guten Voraussetzungen für ein gesundes Frühstück.

Ansonsten: Ich habe wieder ein Wochenende zu den Akten gelegt. Es war sehr schön. Gestern mit leichtem Damenschwips.

Und jetzt hat mich die Hauptstadt wieder. Ich könnte mir allerdings genauso gut vorstellen, etwas weiter draußen zu wohnen. Mecklenburg-Vorpommern, zum Beispiel, ist wirklich sehr schön. Da muss man auch keine Angst haben, von Stellenangeboten erschlagen zu werden.

Was jetzt aber auch ein bisschen schade ist, weil ich am Freitag nicht geschafft habe, die richtigen Zahlen auf meinen Lottoschein zu bringen. Und am Donnerstag hatte ich es gleich ganz vergessen. Jetzt aber haben sich die Millionen, die nur auf mich zu warten scheinen, noch weiter gemehrt, und dann versuche ich es eben diese Woche wieder.

Irgendwann muss das ja mal klappen! Und jetzt habe ich, dank meines Engagements für die Hilfsorganisation Amazon, ja auch glücksbringende Jadeperlen am Lager. Die vorhin erstmal der Schwerkraft unterlagen, als ich sie vom Strang lösen wollte.

Aber so ist das eben: Wer keine Arbeit hat, der macht sich welche. In meinem Fall war es dann das Auflesen der zerstreuten neununddreißig Perlen.

Ich werde Ohrringe daraus flechten, die Haken sind auch schon bestellt. Diesmal in echtem Silber. Gekleckert wird hier höchstens noch beim Essen. Ansonsten nur noch geklotzt. Ich überlege gerade, mir noch ganz echten Silberdraht zu leisten. Nicht einfach nur dieses versilberte Zeug, das ich bislang benutzte.

Aber da müsste ich nach der Arbeit einen Umweg machen. Es gibt nämlich ein Fachgeschäft fast um die Ecke vom Büro. Um mal nicht alles Geld der Welt an Amazon zu stiften. Der Vorteil ist, dass es vor Ort eine Fachberatung gibt. Und es kostet weniger. Und ich kriege genau, was ich will.

Das ist im Internet ja immer so eine Sache. Man gibt einen Suchbegriff ein, bekommt vielleicht ein paar passende Treffer. Und dann noch sehr viele andere. Oft aus der Rubrik Dinge, die die Welt nicht braucht.

Aber diese Betrachtung ist gerade ein wenig redundant, denn ich wollte ja zurück an mein Buch. Die eine Protagonistin ist nämlich immer noch nicht tot, und das stört mich gerade so massiv, dass ich dringend weiterlesen muss.

 

Advertisements

Eine Säule des Lebens

Endlich Wochenende! Ich habe es mir redlich verdient.

Nachdem ich heute auf dem Arbeitsweg erstmal den Verkehr regeln musste, weil ein Lastwagen quer auf meinem Bürgersteig stand, den ich dann erstmal in die vielbefahrene Großgörschenstraße einweisen musste, hatte ich einen sehr interessanten Tag.

Gut, es ist nichts passiert, zumindest nichts Nennenswertes, aber es war wirklich sehr schön. Ruslana räumte Renate plötzlich Kompetenz ein (Renate hat schon ein rotes Kreuz in ihren Kalender gemalt, weil ich ihr das natürlich per WhatsApp brühwarm weitererzählte), Kathrin tönte in der Küche, dass es sie am vergangenen Freitag gerettet hat, dass wir anderen nach ihrem Toilettengang plötzlich weg waren, Anne und ich führten ein sogenanntes PEG.

Das ist das jährliche Personalentwicklungsgespräch, an dem ich zum letzten Mal 2016 teilgenommen habe. Dazwischen kam immer was dazwischen.

Heute also war es wieder so weit. Eine geschlagene Dreiviertelstunde hielten wir uns mit Punkt eins auf, dann laberten wir noch zwanzig Minuten um den heißen Brei herum, ich verwendete das Wort Irrenhaus mehrfach in diesem Kontext, und dass mein Arbeitgeber als Arbeitgeber das Prädikat geht so bekommt. Ich habe ja in meinem Leben unter sehr vielen Psychopathen gearbeitet, von daher ist mein aktueller Job schon irgendwie ok. Zitat Ende.

Ich habe auch eingeräumt, dass ich manchmal keine Lust mehr habe. Allerdings ohne das Wort manchmal näher zu definieren.

Und dann setzte meine liebenswerte Sekretärin und Projektleiterin an, mir zu erklären, wie sie mich sieht. Ich bin nämlich eine Säule des Teams.

Ja, und immer, wenn ich mich umdrehe, erstarre ich zur Salzsäule.

Und sie ist mir dankbar, dass ich es immer noch aushalte, auch wenn es nicht immer so einfach ist.

Mann! Wie soll ich denn da besten Gewissens kündigen? Zumal ich heute leider vergessen habe, meinen Lottoschein abzugeben.

Ursächlich hierfür war allerdings Bernd drei. Der schlug vor, heute keinen Döner zu holen, sondern lieber etwas zu bestellen, damit ich nicht rausgehen muss. Sehr nett, aber der Lottoladen liegt auf dem Weg.

Das war doch ein abgekartetes Spiel! Erst diese Verlockung der Bequemlichkeit, dann Annes Lobhudelei.

Ich bin übrigens auch diejenige, die immer im Team zu vermitteln weiß. Und die für gute Laune sorgt.

Merkwürdig nur, dass ich davon noch gar nichts mitgekriegt habe. Und ich habe ja auch sehr oft selbst schlechte Laune.

Aber ich nehme das jetzt mal so mit ins Wochenende. Sowas habe ich schon öfter gehört. Und nur, weil ich es selbst nicht merke, weil ich sogar mir gegenüber zu subtil bin, muss es ja nicht gleich nicht stimmen.

Abgesehen davon, dass ich jetzt wirklich Feierabend habe. Ich sitze in einem gut geheizten Zimmer an der Ostsee und habe den Ausstellungsbesuchsplan für morgen in groben Zügen fertig.

Leider, leider, leider muss ich auf dem Weg zu den Porträts am örtlichen Schmuckgeschäft vorbei. Und ich habe vorhin schon die Auslage bewundert.

Na gut, wer sich traut, kann mich ja bremsen.

Er muss aber damit rechnen, sofort in Salz verwandelt zu werden.

Nur, dass das schon mal klar ist.

Hauptsache erstmal Boykott

Egal, warum. Aber wenn es irgendwo was zu boykottieren gilt, bin ich per se erstmal dabei.

Habe ich heute früh gleich an mir festgestellt. Da sagte doch Anne zu mir Wenn Du heute Frust hast – da ist noch ein Bier im Kühlschrank.

Was denn? Soll ich gleich frühmorgens damit anfangen? Ich warf trotzdem einen prüfenden Blick in unseren Bürokühlschrank. Alkoholfreies Krombacher. Na toll.

Das ist kein Bier. Klärte ich Anne auf. Und Krombacher wird sowieso boykottiert.

Warum? Schmeckt das nicht?

Keine Ahnung, ob das schmeckt. Krombacher kooperiert mit irgendeiner Sauerei, deshalb wird das boykottiert.

Was für eine Sauerei denn?

Ja, was weiß ich? War irgendwas wie bei Nestlé.

Ich habe meine eigene Bildungslücke gleich wieder aufgefrischt.

Die Brauerei kooperiert mit Nestlé.

Die Bildungslücke von Anne schlussendlich zu schließen, habe ich den ganzen Tag nicht geschafft. Dafür die baugleiche vom Chef. Na, dann kann der das ja weitertragen, ich habe keine Zeit. Ich muss ja meine Betriebsratsarbeit aufschreiben.

Unsere Oberleitung habe ich erst gesehen, als ich gehen wollte. Haben wir uns heute schon gesehen? Grinste sie mich im Rahmen ihrer Möglichkeiten an, während ich mich beherrschen musste, nicht das Lächeln einer Wahnsinnigen aufzusetzen.

Fiel mir schwer. Aber ich konnte ihr ganz gut vorschwindeln, dass ich zu beschäftigt war, um sie anzugucken. Hätte ihr natürlich auch sagen können, dass ich gerade sehr schlechte Laune habe. Aber mit meinem Feierabendgesicht glaubt man mir das immer nicht.

Außerdem war ich gerade tatsächlich recht froh gestimmt, weil nämlich unser Superazubi die ganze Ablage neu sortieren muss, weil unserer Königin sein System missfiel. Beziehungsweise hat sie es nicht verstanden. Nun lernt er sie auch mal von ihrer besten Seite kennen.

Geschieht ihm recht. Morgens kommt er zu spät. Dann frühstückt er erstmal, während Anne, seine Mutti, den Küchendienst für ihn erledigt, wenn er dran ist. Später speist er zu Mittag ausschließlich mit Leitungskräften der mittleren und oberen Ebene. Und geht sehr überpünktlich nach Hause, weil er die jüngeren Kinder von Anne betreuen muss, die dafür selbst natürlich viel zu wichtig in der Firma ist. In dem halben Jahr, das er in der Personalabteilung verbracht hat, hat er Renates Job erledigt, weil unsere Oberleitung selbst keine Lust drauf hatte; jetzt sitzt er in der Buchhaltung, weil er da langfristig hin will, und erledigt weiter Renates Job.

Ich würde echt gern Mäuschen spielen, wenn der Junge in die Berufsausbildungsabschlussprüfung geht. Ich dachte erst, das klingt vielleicht ein wenig gehässig, aber ich habe nochmal drübergelesen: Alle Angaben entsprechen der Realität. Nur eine Darstellung.

Wir hätten uns dagegen entscheiden sollen, den Sohn unserer Projektleitung auszubilden. Aber wir haben damals dran geglaubt. Wir kannten ihn schon, er war mal ein lustiger junger Mann, und Anne schwor Stein und Bein, dass sie ihr Verwandtschaftsverhältnis ausgrenzen können.

Können sie nicht. Nicht mal unsere Oberleitung kann das. Und davon, dass der nie im Leben auf seine vorgeschriebene Arbeitszeit kommt, rede ich noch nicht mal.

Kann aber auch sein, dass seine Mutti vergessen hat, dass er eine Vollzeitstelle hat und nicht, wie unsere ehemalige Azubine, nur dreißig Stunden arbeiten muss. Anne vergisst ja sehr viel. Um nicht zu sagen fast alles. Aber lassen wir das.

Ich habe Feierabend, es ist Donnerstag, und ich muss meine Tasche packen. Denn morgen geht es an die Ostsee. Klingt bei den Temperaturen vielleicht wenig verlockend, aber da hängen vier Fotoausstellungen an einem Ort, und ich will mir die alle angucken.

Bisher habe ich aber nur den Sekt eingepackt.

Na ja… first things first.

Das System Tür zu

Hat mir heute wirklich sehr geholfen.

Und das hat sich auch nahezu von selbst ergeben.

Als der Idiot erschien, stand ich gerade mit zwei Kolleginnen in der Küche und rang um meine zweite Tasse Kaffee mit ihnen. Als der Idiot Pause hatte, hatte Gesine gerade die Tür ins Schloss geworfen, weil die Menschen auf dem Flur einen Heidenlärm veranstalteten. Zusätzlich telefonierte gerade jemand in unserem Büro, so dass ich noch nicht mal das Gegirr meiner Chefin akustisch ertragen musste. Als der Idiot ging, war ich gerade im Gespräch. Er hat mir noch kurz die Symptome seines Magnesiummangels gezeigt, ich hob die Mundwinkel für zwei Millisekunden um zwei Millimeter an, mehr hatte ich dem auch nicht mehr hinzuzufügen.

Ok, am Ende des Tages stand ich bei Bernhard in der Tür und deutete meine Kündigungsabsichten an. Was der wiederum ganz leger mit Warte wenigstens bis August! kommentierte. Denn im August läuft sein Vertrag aus. Und das Problem ist, dass Anne ihn nicht mag, weil sie ihn für einen Idioten hält. Während ich wiederum Anne… Na ja, es ist bekannt.

Heute erklärte sie mir, dass ich meine Betriebsratsarbeit ihr gegenüber dokumentieren sollte. Falls mal was ist. Leider hat die Geschäftsführung mit dem Betriebsrat vereinbart, dass pauschal drei Wochenstunden angesetzt werden. Und fertig. Ich verdrehte in diesem Augenblick leider meine Augen, so dass nur noch das Weiß darin zu sehen war. Sie guckte böse.

Mir war es herzlich egal. Ich musste sowieso weg, weil ich was mit Kayra zu besprechen hatte, die derzeit sehr darunter leidet, dass unsere Oberleitung sie so beansprucht.

Sagt ihr, wie sie eine Email zu schreiben hat, Kayra macht es, dann kommt ihr Textentwurf mit der Anmerkung zurück, dass sie es freundlicher formulieren soll, ansonsten muss sie zum Schreibkurs. Dies alles in einem sehr denkwürdigen Ton.

Nur mal zum Vergleich: Kayra hatte Deutsch im Leistungskurs und sich einst fürs Germanistikstudium immatrikuliert, unsere Oberleitung hingegen kann keinen Text so formulieren, dass der Leser merkt, was sie eigentlich meinen will. Satzzeichen kennt sie nicht, und wenn, dann nur die falschen an der noch falscheren Stelle. Jede Scheiße, die man da als Anweisung vorgeworfen bekommt, muss man dreimal lesen, um sie vielleicht umsetzen zu können. Und diese Frau will nun also unsere Personalerin zum Schreibkurs schicken.

Ich habe keine Lust mehr.

Ich möchte jetzt wirklich gerne kündigen.

Und morgen werde ich wohl als erstes einen Lottoschein abgeben. So, wie ich derzeit unter emotionalem Druck stehe, kann das ja nur funktionieren.

Schön wäre allerdings auch, wenn mein Abendplan funktionieren würde. Eigentlich wollte ich ganz schnell nach Hause, denn es ist schließlich Mittwoch, und da kommt SoKo Wismar im Fernsehen. Danach Rentner-Cops. Und Staubsaugen wollte ich schnell. Weil mein Kind irgendwelche Großkrümel auf dem Teppich verteilt hat, und wie sieht das denn aus?

Es wurde nichts daraus. Bei Lidl habe ich zu lange im Sortiment gesucht – wonach, weiß ich auch nicht mehr so genau -, an der Straßenbahnhaltestelle stand die falsche Nummer auf der Anzeigetafel, auch rechnete ich nicht damit, dass meine wilde Dreizehn schon vorfahren würde, sondern vielmehr die Zehn, so dass ich die Bahn fahren ließ, ohne zu gucken. Das heißt, ich habe schon geguckt, aber leider zu spät. Sonst hätte ich das mit Wismar geschafft.

Und jetzt sitze ich zu Hause und bin ganz tiefenenttäuscht, weil keine Rentner-Cops ausgestrahlt werden, sondern was anderes.

Irgendwie auch gut, habe ich Zeit, was zu schreiben. Und gleich noch lesen!

Denn ich habe gestern Abend ein Buch auf meiner unteren Couchtischablage entdeckt. Das ich noch gar nicht gelesen habe. Und dann auch noch von Karin Slaughter! Die Freude kannte ja überhaupt kein Ende. Schon beim Prolog war ich völlig gefesselt.

Lustigerweise werde ich nämlich total gut gelaunt, wenn ich etwas aus der Rubrik Mord & Totschlag lese. Ich habe keine Ahnung, woran das liegt, aber es ist so. Vielleicht, weil ich auch dabei meine Tür zu habe.

Und das macht mich froh.

Unnatürlich froh, aber das weiß mein Gehirn ja nicht.

Das kann ja heiter werden

Krass. Meine Stimmungsschwankungen. Wenn man die mal in die Relation setzt, müsste ich Drillinge erwarten. Mindestens! Aber ich habe leider keinen Platz für drei zusätzliche Kinder, und deshalb muss ich mir jetzt meinen Mentalzustand anders erklären.

Gestern Abend, da hatte ich nach dem täglichen Tagebucheintrag eine ganz vorzügliche Laune. Könnte eventuell auch daran gelegen haben, dass ich noch ein Buch las, welches sehr spannend war. Mittlerweile ist es Geschichte, die Protagonisten haben alle überlebt, und jetzt überlege ich, was ich als nächstes im Eiltempo verschlinge. Denn beim Lesen muss ich nur bedingt denken, und das ist gut.

Die daraus resultierende Laune hielt bis heute gegen dreizehn Uhr an. So gut hatte sie sich gestern noch entwickelt. Aber dann… obwohl unsere allerliebste Oberleitung zuckersüß strahlend mit dem Geburtstagskuchen von Bernd eins in der Tür stand… fiel sie mal wieder die Treppe runter und landete unsanft auf dem Kellerfußboden.

Meine Laune, nicht die Leitung.

Wobei… man sollte dringend nochmal darüber nachdenken.

Wie vielen Problemen man damit so ganz nebenbei den Garaus machen könnte…

Aber nein… Ich schaffe es ja nicht mal, das verf***te Gendersternchen wegzulassen, um ausdrücklich nur die Kolleginnen anzusprechen, keinesfalls aber den Kollegen. Man weiß, wer gemeint ist. Und das Problem an dem Mann ist, dass er morgen anlässlich eines neuerfundenen Gremiums ins Haus kommt.

Schon jetzt ist mein Hals recht angeschwollen. In meinem Kopf werfe ich mit Radiergummis nach ihm, brülle wahlweise rum oder konzentriere mich ganz stark darauf, den Radiergummi nicht mit dem Locher zu verwechseln.

Die sehen sich aber auch ähnlich! Ich hoffe, ich kriege das im Affekt dann auch hin.

Und dieses ganze Gedankengut ist allein das Ergebnis meiner Selbstschutzmaßnahme. Ich war nämlich zwischendurch schon wieder recht freundlich gestimmt, deshalb musste ich mir wieder ein paar Anekdoten vor Augen führen. Zum Beispiel, wie meine allerliebste Oberleitung den Idioten am Freitag angeschmachtet hat. Dem der nun auch nicht wirklich Einhalt gebot, indem er zum Beispiel nicht darauf reagierte. Hat er.

Aber das ist mir ja sowas von egal. Reicht allerdings bei aller Gleichgültigkeit noch dafür, in Gedanken mit Bürobedarf zu werfen.

Uiuiui, ich werde mich morgen sehr zusammenreißen müssen. Davor habe ich am meisten Angst. Da lege ich mir doch am besten schon mal die Bohrmaschine raus. Dann kann ich schnell noch die Tür zuschrauben.

Ich befürchte nur: Wenn ich meine Bohrmaschine mit ins Büro nehme, könnte das blutig enden.

Wenn es auch ein reizvoller Gedanke ist.

Aber dann muss Gesine am Donnerstagmorgen erst durch eine Blutlache waten, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen, und das will ich ihr nicht antun.

Ich mag Gesine.

Aber ich putze das nicht weg!

Nicht mal, wenn die Sonne scheint.

Sich golden im langsam trocknenden Blut spiegelt.

Das allmählich ins Linoleum wächst.

Und ganz am Ende seiner Tage eine blasse Erinnerung hinterlässt.

Bringt mir aber auch alles nichts.

Weil ich nicht ins Gefängnis will.

Aber nur deshalb.

 

Feierabend – es gibt keinen Gott

Vor lauter Freude auf die Arbeit heute habe ich wieder kein Auge zu machen können.

Dennoch fühlte ich mich erstaunlich wach. Ja, nachdem ich dem Wecker noch weitere zehn Minuten abgeluchst hatte, nachdem ich kurz vor seinem Glockenschlag nämlich endlich eingeschlafen war.

Und dann kam ja als erstes erstmal eine neuerliche Betriebsratssitzung. Der leider, leider, leider ein Aufenthalt in meinem Irrenhaus folgte. Gut, ich habe meine Oberleitung heute nicht gesehen. Wollte ich auch nicht.

Nicht, nachdem sie am vergangenen Freitag unseren Idioten so angeschmachtet hat, dass der am Ende des Abends verkündete: Wenn Du mich auf die Streckbank schnallst, soll aber Kathrin gleichzeitig darauf festgebunden sein.

Mittlerweile frage ich mich, wer die Sauerei am Ende wegmachen wird. Das geht also nur montags oder donnerstags. Weil dienstags und freitags unsere Putzfrau kommt. Während ich versuchen werde, der Gefängniskleidung einen gewissen Charme beizubringen.

Aber es gibt ja gar keine richtige Gefängniskleidung mehr, man sitzt jetzt in Zivil ein.

Soweit wird es nicht kommen. Ich mache mir doch nicht die Finger an diesem Vollpfosten schmutzig! Sollte er jedoch in nächster Zeit die Wohnungstür öffnen, und sollte da ein Mann stehen, der ihm ganz gepflegt einen Stuhl durchs Gesicht zieht, dann könnte es sein, dass ich diesen Mann kenne.

Freiwillige vor! Ich habe die Schnauze voll. Und ich kenne Leute, die es überhaupt nicht mögen, wenn mir einer so doof kommt.

Weshalb ich wirklich froh war, meiner Leitung, also Kathrin, heute nicht begegnet zu sein.

Habe dabei gelernt: Die Produktivität steigt um wenigstens zweihundert Prozent, wenn man sich hinter seiner Bürotür versteckt. Am Ende des Tages habe ich sogar Bernhard vorgeschickt, um zu gucken, ob ich das Haus unbehelligt verlassen kann.

Konnte ich.

Musste ich. Denn es ergab sich heute, dass ich (in so einer Lebensphase ist es ja auch nur natürlich, dass man Post an genau diejenigen weiterleiten muss, die man gerade so gar nicht sehen, hören, lesen oder sonstwas will – außer an die Wand klatschen) dem Idioten was schicken musste. Und immer, wenn ich an den schreibe, gebe ich Gott ins Adressfeld ein. Das ist der kleinste gemeinsamste Nenner, damit mein Emailprogramm den Empfänger findet. Ich also Gott eingegeben, das Programm machte auch mit, abgeschickt, rödel, rödel, rödel, es gibt keinen Gott in unserem Adressbuch. Sprach das Programm zu mir.

Leider auch sonst niemanden mehr. Hm… eine Verschwörung?

Nein, Server abgestürzt. Das hatte mir gerade noch gefehlt. Nachdem mein Scanner das an den Idioten zu versendende Dokument geschlagene dreimal fraß und sich dreimal daran aufhängte.

Na ja, schlussendlich hat es die IT gerichtet. Und dann bin ich gegangen. Gearbeitet hatte ich immerhin bis siebzehn Uhr. Danach noch eine Viertelstunde gebraucht, um das Haus zu verlassen. Aber das war Sozialerlebnis. Mehr nicht. Oder sowas in der Art.

Morgen werde ich das direkt wiederholen.

Müssen.

Wie ich mich freue!

Besonders auf Freitag.

Ganz besonders auf Freitag.

Aber das ist nichts Neues.

Und dass ich mich nun für den Rest des Abends in meinen Gewaltphantasien aalen werde, auch nicht.

Auf die freue ich mich auch.

Gottseidank hab ich Hobbys

Ist mir geradeso noch eingefallen.

Ablenkung hilft. Und ich wundere mich selbst, dass ich mich das sagen höre, aber es ist gut, mal nicht zu viel nachdenken zu müssen.

Was mich ferner wundert, ist, dass ich heute, als ich im Laufe des Vormittags erwachte, schlagartig gute Laune hatte. Keine Ahnung, warum. Ich muss wieder was geträumt haben, was wirklich sehr schön war. Im Sonnenschein spielende Hundewelpen. Oder von einer idyllischen Wohnsituation weiter draußen.

Nachdem ich gestern endlich ein Konto auf einer Jobplattform angelegt habe. Was mich wiederum auf die Idee brachte, auch mal außerhalb Berlins zu suchen. Ich hänge ja nicht allzu sehr an unserer Hauptstadt. Allerdings bitte ich darum, mich mal nach drei Wochen in der Pampa erneut dazu zu befragen. Wenn der tägliche Einkauf zu kompliziert wird, dann gibt sich das wieder mit dem nicht so sehr an der Hauptstadt hängen.

Und es gibt keine Jobs in der Provinz. Zumindest nicht so richtig für mich. Eine Stelle, die sich bei meiner Suche angefunden hat, klingt direkt interessant. Da sucht man eine Perle. Also mich. Leider Vollzeit. Das ist zwar schön fürs Gehalt, aber für meine Lebensqualität nicht. Schließlich brauche ich noch etwas Freizeit. Um mich meinen Hobbys zu widmen.

Und mal eben fünfzehn Seiten Korrektur zu lesen. Damit bin ich jetzt fertig, muss aber nochmal alles durchgucken und die Zitate einheitlich formatieren. Aber darüber muss ich erst nachdenken.

Einmal loslassen.

Wieder anfassen.

Meist kommen die besten Inspirationen ja in der Badewanne. Oder auf dem Sitzmöbel, welches neben der Badewanne am Boden festgeschraubt ist. Oder auf dem Balkon, wenn man gerade seine Gesundheit noch ein Stück weiter ruiniert.

Dankbar war ich während meiner Lesungen dennoch für kleine Päuschen, die mir WhatsApp beschert hat. Denn nebenbei motiviert mich Yvonne (die seit gestern Nacht weiß, wie man mich am ehesten kriegt), und Renate ist auch wieder da.

Die fragte schon heute früh nach meinem Befinden. Und obwohl ich eigentlich unerklärbar gute Laune hatte, muss ich so schrecklich geklungen haben, dass sie gleich hierher eilen wollte, um mich zu trösten. Nur habe ich leider nicht aufgeräumt, ferner wollte ich zum Sport, weshalb ich dies ausschlug.

Und sooo schlecht geht es mir heute ja auch schon nicht mehr. Wie gesagt: Warum auch immer. Die Gesamtsituation hat sich seit gestern nicht geändert.

Doch, ein bisschen. In der Nacht. Aber nicht wegen der Träume, sondern weil ich Umfeld habe. Und ich habe ein erfüllendes Umfeld. Ich brauche keine Idioten an meiner Seite, die da nicht sein wollen. Auch keine Psychopathen, die sich an Leute, die ich mag ranschmeißen, bis die mich nicht mehr zu mögen scheinen. Wenn sie mich denn vorher überhaupt gemocht haben. (Haben sie – in diesem speziellen Fall haben wir uns diesbezüglich ausgetauscht, aber was sind schon Worte? Nur Schall und Rauch. Das habe ich mir bestimmt auch nur eingebildet, da meine emotionale Wahrnehmung ja offenbar nicht allzu gut zur Realität passt.)

Aber, wie ich schon sagte, ich habe Umfeld neben meinen Hobbys.

Trotzdem vor lauter Tiefenenttäuschung vergessen zu essen.

Was jetzt eventuell problematisch werden könnte. Denn wenn ich emotional am Rande bin, dann vergeht mir der Appetit. Und wenn ich keinen Appetit habe, habe ich auch keinen Hunger. Wenn ich keinen Hunger habe, esse ich nichts. Und wenn ich nichts esse… na ja, man weiß, was passiert: Ich brauche neue Klamotten.

Kann aber die alten noch nicht wegschmeißen, weil ich sie, sobald ich wieder angefangen habe, richtig zu essen, wieder brauche.

Ein einziges Elend.

Und morgen ist auch schon wieder Montag.

Ich freue mich jetzt schon auf das kommende Wochenende.

Und dann vergeht diese Scheißwoche wieder nicht.

Noch so ein Elend.

Häuptling heulendes Elend

Keine Ahnung, wie die weibliche Form von Häuptling ist, aber im Grunde ist es mir dann doch wieder so egal, dass ich mal beim generischen Maskulinum bleibe.

Und nach neuen Stellen im Internet recherchiere. Wenn ich keinen Tinnitus hätte… und wenn das ordentlich bezahlt werden würde, würde ich aus lauter Verzweiflung direkt zurück in irgendein blödes Callcenter gehen, die würden mich nämlich mit Handkuss nehmen.

So das Endergebnis unserer gestrigen Neujahrsfeier.

War ja alles schön und gut. Bis zu der Stelle, als meine Oberleitung anmerkte, dass der liebste Idiot und ich wie ein altes Ehepaar erscheinen. Und dann fragte diese dumme Kuh den auch noch, wann wir heiraten. Er lehnte das ab. Und ich sprach lakonischer, als mir zumute war Ich habe das Geld für die Scheidung nicht.

Dann teilte sie mit, dass sie sich mit mir ein Taxi teilen würde. Und warf sich dem Idioten verbal an den Hals. Als wir dann gehen wollten, blieb sie dann doch, und so kam es, dass ich in Gesellschaft des genannten Knallkopfes die Räumlichkeiten verließ. Wir irrten mit einer weiteren Kollegin durch das Berliner U-Bahnnetz, und jetzt bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass alles Scheiße ist.

Ist auch nur ein bisschen schmerzhaft, aber lassen wir das.

Da suche ich mir doch am liebsten einen neuen Job.

Vielleicht wird dann auch wieder alles gut.

Gottseidank kann ich mich nicht erinnern

Ich muss so eine Scheiße geträumt haben… eine halbe Stunde vor meinem Wecker wurde ich wach. Und hatte schlagartig schlechte Laune.

Aber sowas von! Da muss vorher etwas so frustrierendes passiert sein, dass ich mittlerweile wirklich froh bin, mich nicht erinnern zu können.

Kurz gesagt: Es wurde nicht besser.

Ich habe mich massiv über das Umfeld geärgert und bin absolut tiefenenttäuscht von meinem Lieblingschef. Ich kündige! Oder ich spiele einfach Lotto. Die Gewinnwahrscheinlichkeit hier ist wesentlich höher, als die, dass sich mein Leben auf natürlichem Wege zurechtbiegt.

Und irgendwie können sie mich alle mal.

Kreuzweise.

Bitte.

Ich mache jetzt Wellness. Erst in der Badewanne, dann vor dem Fernseher. Den ich allerdings nur benutzen kann, wenn ich vorher die Couch begehbar mache.

Vielleicht liegt diese Laune auch am neuen Kissen. Fällt mir gerade ein. Das ist ja ganz neu, und ich muss mich eventuell erst daran gewöhnen. Vielleicht kann der Chef gar nichts dafür.

Doch, kann er. Ich darf nur schon wieder nicht genau sagen, warum.

Ist ja auch egal, ich habe Feierabend, und die Badewanne wartet nicht.

Doch, tut sie.

Sie ist relativ fest im Badezimmer eingebaut und kann nicht weg.

Warum ich heute keine Seife kaufte

Ich überlege gerade… ja, heute früh bin ich aufgestanden.

Um nicht ins Bett zu machen. In erster Linie. Dann fiel mir ein, dass wirklich Gottseidank leider erst Mittwoch ist, und dass ich da noch etwas zu tun habe. Arbeiten zum Beispiel.

Obwohl ich als erstes meinen Jahresurlaub einreichte. Welcher mir, ohne zu zucken, auch bewilligt wurde. Aber nein, als allererstes tauchte das Teammeeting am Horizont auf. Und während ich eine schnelle Briefmarkeninventur im Rahmen ebendieses Meetings veranstaltete, tauchte noch mein allerliebster Idiot auf. Er sagte Na… und dann nichts mehr, aber ich war auch zu beschäftigt und so früh am Morgen auch noch nicht mental auf den eingestellt.

Der Tag verging, der Idiot wollte dann auch irgendwann gehen, und ich war zu der Zeit gerade fertig mit der ersten Abrechnung. Was mich unweigerlich zu meiner gewerkschaftlich verordneten Rauchpause führte.

Und so kam es, dass ich mit Bernd zwei unten stand. Welcher den aus der Tür tretenden Idioten sogleich in ein Gespräch über seine berufliche Zukunft verwickelte.

Aber dann kam Ruslana. Und schwallte dazwischen. Die Tagesthemen waren Sport, Weihnachten und der unselige Zusammenhang zwischen beidem. Ferner erklärte sie, der Idiot könne nun endlich mal aufhören abzunehmen.

Das reicht.

Ich hab aber zugenommen. Greinte dieser.

Irgendwann ist er dann aber gegangen, wir sehen uns eh übermorgen, was mental-emotional betrachtet schon mal weniger gut für mich ist.

Ich möchte gerne wissen, wo er zugenommen haben will. Sagte ich zu Ruslana.

Ach, das zeigt er Dir auf der Neujahrsfeier am Freitag.

Ich lachte sehr laut.

Was nun wiederum Kayra, die der Runde mittlerweile ebenfalls beiwohnte, dazu veranlasste, mich zu fragen, ob der etwa mein Typ wäre.

Ich lachte mal wieder.

Und sprach ganz sibyllinisch Ich habe eine Männerhaarallergie.

Ich dachte, damit ist es erledigt, aber nein…

Du stehst auf Glatzen?

Ich habe das mal nicht mehr beantwortet, sondern einfach weiter gelacht. Bernd zwei, der immer noch neben mir verweilte, ist nämlich ebenfalls nicht gerade mit buschigem Haupthaar gesegnet, was ihn mit dem allerliebsten Idioten eint.

Andererseits war diese generelle Frage nach meinen optischen Präferenzen gut für den Augenblick, denn sonst wäre ich womöglich noch rot geworden. Denn natürlich ist der Idiot mein Typ. Aber das hat nichts mit Äußerlichkeiten zu tun, eher mit den inneren Werten.

Ich sage nur Weltherrschaftsphantasien. Aber ich kann Kayra unmöglich erzählen, dass wir uns gewisse Phantasien teilen, dann denkt die doch gleich an BDSM.

Gut, der Tag wankte ohne besondere Vorkommnisse seinem natürlichen Ende zu. Ich musste ganz pünktlich gehen, weil Vanja und ich zu Ikea wollten. Im Abflug sprach ich, dass ich noch beabsichtige, hernach in den Drogeriemarkt zu gehen.

Bring Seife mit! Und Febreze fürs Klo!

Na toll, ich wollte mir eigentlich einen Lippenstift kaufen.

Dein Lippenstift ist uns egal, bring Duft für die Toilette mit. Ruslana wieder… deshalb musste ich Vanja erstmal von unterwegs mitteilen, dass er bitte eine Bahn später nehmen soll, wenn er nicht bei diesem wunderbar frühlingshaften Wetter an der zugigen Haltestelle stehen will.

Ich habe mir am Ende ein Kissen gekauft. Große Überraschung! Aber nicht für die Couch, sondern für das Kopfkissen von innen. Weil meine bisherigen ja durchaus austauschwürdig sind. Leider wusste ich bei Ikea gerade nicht, wie viele das jetzt wirklich betrifft. Und weil Vanjas Wunschmodell in der Minute, nachdem wir die Bettwäsche mit niederschmetterndem Ergebnis geprüft hatten, nicht vorrätig war, kaufte ich ein halbes.

Das gleiche wie Vanja. Zu meiner Ehrenrettung muss ich hinzufügen, dass ich es wirklich brauchte. Und dass ich das eine alte auch gleich in einen Sack gestopft habe, um es zur Entsorgung in die Küche zu stellen. Die neue Glühlampe im Bad habe ich auch eingebaut und den wackelnden Lampenschirm mit einem Stück Klebeband fixiert. Haushaltstechnisch ist mein Karma sauber.

Ansonsten auch. Immerhin habe ich heute einmal als erstes bei mir selbst die Schuld gesucht, was mir sehr zur Ehre gereicht.

Das reicht dann aber auch für diese Woche. Mein Idiot nickte dazu auch ganz eifrig auf der Treppe, als ich dies mit ihm besprach. Oder wie auch immer man die Kopfbewegung deuten soll.

Und dann muss ich ja zu meiner weiteren Ehrenrettung hinzufügen, dass ich diesen Teil des Tages Vanja gegenüber vollkommen unerwähnt ließ. Er hat aber auch nichts zu dieser Thematik gefragt, und dann bin ich ja immer ganz froh, nichts dazu sagen zu müssen.

Schlussendlich war ich im Drogeriemarkt. Es gab sehr viele Lippenstifte, und ich habe auch sehr viele rötliche Streifen auf dem Handrücken. Gekauft habe ich keinen. Weil mich keiner so richtig ansprang. Und weil ich dann noch dringend wohin musste, habe ich auch keine Seife gekauft. Und kein Febreze. Außerdem hatte ich vergessen, was ich privat noch brauchte.

Da bin ich schnellstens mit meinem Kissen im Beutel sowie zwei Flaschen weißen Glühweins nach Hause geeilt. Wir wichteln in diesem Jahr ja noch, und da brauche ich definitiv Vorräte dieser Form flüssigen Kopfschmerzes. Manche Trashwichtelgeschenke kann man sich nur schöntrinken.

Vielleicht sollte ich gleich mal davon probieren. Nicht, dass der schlecht ist.

Und dann wird es gefühlt auch viel lauter hier. Denn es ist auffällig leise im Hause. Die Nachbarn scheinen alle im Außendienst zu sein, das Kind ist nicht da, mein Telefon schweigt mich an.

Ja, weil ich gestern mal wieder meine letzten Freunde beleidigt habe. Erst Yvonne, der ich partout nichts über die Inhalte meiner gestrigen Betriebsratsarbeit sagen wollte, dann kam noch Renate.

Was meine Zukunftspläne machen.

Das entscheidet sich in den nächsten Tagen.

Oh, oh, oh! Was für einen neuen Job hast Du denn gefunden? Sprang sie gleich an.

Also, ehrlich, das nervt mich jetzt gewaltig. Ständig bedrängt sie mich, mir einen neuen Job zu suchen. Und wenn mir einer immer wieder sagt, ich soll unbedingt dies oder das machen, dann weigere ich mich schon ganz unbewusst. Abgesehen von der Tatsache, dass ich seit fast sieben Jahren in diesem Irrenhaus wirke und würge und dass man das ja nicht von heute auf morgen übers Knie brechen kann, während Renate uns nicht mal ein Jahr erhalten blieb.

Jetzt soll ich sofort kündigen, weil sie weg ist? Sie ist Nummer fünfzehn! Kein Grund, beleidigt zu sein, wenn ich noch da sitze. Bernhard sah das genauso. Und Gesine auch. Claudia ebenfalls. Und den anderen habe ich es gar nicht erst erzählt.

Jedenfalls schweigt mich Renate jetzt an, seitdem ich ihr erklärt habe Ich treffe meine Entscheidung. Die ist etwas differenzierter und hat nicht nur mit dem Job zu tun.

Sie hat nicht mal mehr gefragt, was ich damit genau meine. Sonst wäre sie jetzt noch beleidigter, weil ich es ihr nicht erzählt hätte. Ich erzähle es ja sonst auch keinem.

Doch, einem. Aber selbst dem nur in herantastenden Ansätzen. Und ich sage noch nicht mal, wen ich meine. Das ist alles noch geheim. Ich werde die Frage, ob ich verrückt bin, schon noch früh genug hören. Und das entscheidet sich dann tatsächlich in den nächsten Tagen. Könnten Wochen werden.

Oder ich lasse dem Schicksal einfach seinen Lauf.

Wenn Gott eine Tür schließt, öffnet er dafür ja immer eine andere.